Ostern und das Ei
Warum ausgerechnet Eier an Ostern?
Diese Frage stellen sich jedes Jahr aufs Neue Kinder – und, wenn wir ehrlich sind, auch manche Erwachsene, die spätestens beim dritten Schokoladenei ins Grübeln geraten.
Das Ei ist ein echtes Multitalent der Symbolik. Schon lange vor dem Christentum galt es als Sinnbild für Leben, Neubeginn und das große Geheimnis, wie aus etwas so Unscheinbarem plötzlich etwas Lebendiges entsteht. Im christlichen Glauben erhielt dieses Bild eine noch tiefere Bedeutung: So wie ein Küken die Schale durchbricht, steht das Ei für die Auferstehung – für neues Leben, das aus dem Verborgenen hervortritt.
Doch es gibt auch eine sehr praktische Seite der Tradition: Während der Fastenzeit durfte man früher keine Eier essen. Die Hühner ließen sich davon allerdings nicht beeindrucken und legten munter weiter. Also sammelte man die Eier, kochte sie haltbar – und hatte zu Ostern plötzlich reichlich Vorrat. Was tun damit? Essen, verschenken, färben. Und schon war ein Brauch geboren.
Das Färben selbst begann übrigens weniger aus künstlerischem Ehrgeiz als aus purem Pragmatismus: Man wollte ältere von frischen Eiern unterscheiden. Dass daraus einmal kunstvolle Ostereier und Osterdeko entstehen würden, konnte damals niemand ahnen.
Und der Osterhase?
Seine Karriere verdankt er vermutlich einem alten Brauch: Seit dem Mittelalter (12. Jh.) wurden gesegnete Eier in Feldern vergraben, damit alles gut wächst und gedeiht. Nach dem Winter waren Hasen besonders häufig in den Gärten und Äckern unterwegs – schließlich suchten auch sie nach etwas Essbarem. Irgendwann im 17. Jh. verband man beides miteinander:
Eier im Boden + Hasen auf dem Feld = der Hase muss sie versteckt haben.
Eine charmante Fehlinterpretation, die bis heute Kinderaugen strahlen lässt.
Zum Abschluss ein Blick auf die Ostertradition – im Sinne von Eduard Mörike:
Die Sophisten und die Pfaffen
Stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst erschaffen,
Wohl die Henne? wohl das Ei?Wäre das so schwer zu losen?
Erstlich ward ein Ei erdacht:
Doch weil noch kein Huhn gewesen,
Schatz, so hat’s der Osterhas gebracht.
In diesem Sinne:
Frohe Ostern – und passen Sie gut auf, wo der Hase die Eier versteckt hat!
