Info: Zehntscheune
Die Zehntscheune
Der Burgvorplatz, die Freiheit, wird geprägt durch die Zehntscheune. Sie ist ein ehemals bischöfliches Wirtschaftsgebäude, in dem Bürger und Bauern den Zehnten ihrer Einkünfte an den Vertreter des Landesherrn, den Landdrost, ablieferten.
1682 ließ Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg die massive Zehntscheune errichten – „in festem Stein, nachdem die zuvor hölzernen Wirtschaftsgebäude durch Feuer zerstört worden waren“, wie die lateinische Inschrift unter dem steinernen Wappen über dem Eingangsportal berichtet. Das Vorgängergebäude, ein Fachwerkbau, war gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges abgebrannt.
Der Neubau entstand als langer, rechteckiger Massivsteinbau von 46,50 m Länge und 14,20 m Breite. Die Ecken bestehen aus Sandsteinquadern, die vordere Giebelfassade wird von einem steinernen Rundbogentor geprägt. Das Dach ist mit Solling‑Sandsteinplatten gedeckt. Im Inneren war die Scheune in eine große Diele und seitliche Stallungen gegliedert; über den Stallungen lagen Räume für Heu und Stroh sowie Kammern für die Knechte. Der nördliche Teil, durch eine massive Mauer abgetrennt, bildete einen zweigeschossigen Wohnbereich.
1825 ging die Zehntscheune in den Besitz der Stadt Dringenberg über. Sie verpachtete das Gebäude an Dringenberger Bauern und nutzte den Wohnteil in den 1940er‑Jahren als Kindergarten. Zwischen 1957 und 1959 wurde die Scheune zur Sport‑ und Festhalle umgebaut, wobei die historische Bausubstanz weitgehend erhalten blieb.
1988 entstand unter Mithilfe zahlreicher Freiwilliger, insbesondere der Schützenbruderschaft, der sogenannte „Kleine Bruder“. 2018 wurde das Dach mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Mitteln der GlücksSpirale vollständig erneuert.
Heute dient die Zehntscheune als Veranstaltungsort für Konzerte und Kulturveranstaltungen, Hochzeiten und private Feiern, das Schützenfest, das Pfarrfest und die Bischof‑Bernhard‑Feier. Für Instandhaltung und Vermietung sorgt der „Betreiberverein Zehntscheune Dringenberg e. V.“.
Der Zehnte
Den Bürgern Dringenbergs stand ausreichend Acker‑ und Gartenland zur Verfügung, doch für dessen Nutzung waren Abgaben zu entrichten. Zu den wichtigsten gehörte der in jener Zeit übliche Zehnte – eine Abgabe an die Kirche, ursprünglich bestimmt für den Unterhalt des Pfarrers. Der Zehnte wurde nicht in Geld, sondern in Naturalien vom Grundbesitz und aus bestimmten Erträgen der Landwirtschaft geleistet.
Er gliederte sich in zwei Formen: den Fruchtzehnten von den Feldfrüchten (Getreide, Flachs, Hanf, Kraut und Gemüse) und den Blutzehnten, der lebendes wie geschlachtetes Vieh – Schafe, Gänse, Hühner – umfasste.
Der eingesammelte Zehnte wurde in der Zehntscheune gelagert, wo auch das Getreide gedroschen wurde. In der Dringenberger Zehntscheune, die 46,50 m lang und 14,20 m breit ist, fanden bis zu 16 Erntewagen gleichzeitig Platz.
Verschiedene Edikte des Landesherrn mahnten die Abgabepflichtigen zu Ehrlichkeit und verpflichteten die Zehntsammler, die Vorschriften ohne Furcht, Nachsicht oder Eigennutz durchzusetzen. Auf Unterschlagungen und Nichtablieferungen standen empfindliche Strafen: in der Regel ein Taler je Garbe. Ein Taler entsprach damals vier Tagen harter Arbeit.
Die Zehntscheune, die alljährlich den zehnten Teil des oft bescheidenen Ertrags aufnahm, erinnerte die Bürger täglich an ihre Abhängigkeit vom Landesherrn.
Text: I Pape, 2026
Quellen: Heimatverein; H. Schoppmeyer: Der Bischof von Paderborn und seine Städte.