Info: Burg Dringenberg
Die Burg – Wahrzeichen Dringenbergs
Seit Jahrhunderten prägt die mächtige Burg auf dem 298 m hohen Berg die Silhouette Dringenbergs. Die Anlage besteht aus einer unregelmäßig viereckigen Ringmauer mit Wehrturm im Nordwesten, einer Wehrmauer und einem großen Innenhof. Nach Osten und Süden wird sie von einem breiten Burggraben, dem Zwinger, umgeben. Die Burggebäude lehnen sich an die umlaufende Mauer an.
Der Bau dieser sogenannten Mantelburg begann 1318 unter dem Paderborner Dompropst und späteren Fürstbischof Bernhard V. zur Lippe. Ursprünglich bestand die Burg vermutlich aus drei getrennten Gebäuden, die durch eine gemeinsame Außenmauer verbunden waren. Eine hölzerne Zugbrücke führte über den Burggraben.
Der Burg vorgelagert war die „Freiheit“, die durch eine Mauer nicht nur räumlich, sondern auch rechtlich von der Stadt getrennt war. Hier galt das Landesrecht des Fürstbischofs, außerhalb das Stadtrecht. Ein überbautes, ständig bewachtes Tor gewährte Zugang zum Burgbereich, in dem sich Stallungen, Wirtschafts- und Gesindehäuser sowie die Zehntscheune befanden.
Im ausgehenden 15. Jahrhundert veränderte sich das Erscheinungsbild der Burg grundlegend. Unter Fürstbischof Simon III. zur Lippe entstanden 1488/89 der Südflügel durch das Zusammenfügen vorhandener Gebäude, der mehrstöckige Ostflügel mit Wehrturm sowie das zweigeschossige Torhaus. Sein Wappen, die „Lippische Rose“, schmückt bis heute die Spitze des Torbogens.
Die letzten wesentlichen Umbauten erfolgten um 1550 unter Fürstbischof Rembert von Kerssenbrock. Er ließ die Burg zur Residenz ausbauen, verband den Südflügel mit dem Westgebäude und schuf so einen dreigeschossigen Westflügel. Zwischen Neubau und Südflügel entstand ein Treppenturm, dessen Wappenstein über dem Eingang angebracht ist. Die Burg diente fortan verstärkt als Sommerresidenz der Paderborner Fürstbischöfe.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg durch schwedische Truppen fast vollständig zerstört. Fürstbischof Dietrich Adolf von der Recke ließ sie ab 1651 im Stil der Weserrenaissance wieder aufbauen. An die Außenmauer des Ostflügels wurde ein Fachwerkbau als Wirtschaftsgebäude angefügt.
Der Innenhof mit seinem 40 m tiefen Ziehbrunnen ist ein Zeugnis dieser Zeit, der Weserrenaissance. Der Brunnen selbst wurde bereits in der Gründerzeit um 1320 händisch gegraben.
Neben der Verwendung von Wesersandstein als Baumaterial finden sich Luchten, welscher Giebel, Verzierung, Dekorationen und Kugeln als Charakteristische Merkmale auf der Burg wieder.
Bis 1802 war die Burg Sommerresidenz der Paderborner Bischöfe und Verwaltungssitz des Oberwaldischen Distrikts, der in etwa dem heutigen Kreis Höxter entspricht.
Nach der Säkularisation erwarb die Stadt Dringenberg 1825 die Burg samt Ökonomie. Sie richtete dort das Rathaus ein und nutzte die Räume für die Gemeinde- und Amtsverwaltung sowie zeitweise als Schulgebäude.
Während der Bombennächte des Zweiten Weltkriegs bot der große Gewölbekeller der Burg den Dringenbergern Schutz als Luftschutzkeller.
Von 1946 bis 1956 war in der Burg das Kinderheim „Maria Hilf Dringenberg“ mit bis zu 60 Kindern untergebracht. Ab 1953 diente die Burg erneut als Amtssitz des Amtes Dringenberg-Gehrden – bis zur kommunalen Neugliederung 1975.
Die Burg heute
Die Burg gehört heute der Stadt Bad Driburg und wird von verschiedenen Dringenberger Vereinen genutzt.
Im Westflügel befindet sich das vom Heimatverein Dringenberg betriebene Museum, erreichbar über das Brauhaus. In den großen Rittersälen und im Gewölbekeller finden wechselnde Kunstausstellungen statt.
Der Ostflügel, ein Fachwerkständerbau, beherbergte einst die Wirtschaftsgebäude der Burg. Heute befinden sich dort die Musik- und Probenräume der drei Dringenberger Musikvereine – Burgmusikanten, Fanfarenzug und Spielmannszug – sowie ein Vereinsraum der Reservistenkameradschaft. Im Dachgeschoss liegt ein Aufenthaltsraum mit moderner elektronischer Schießsportanlage des Schießsportvereins Dringenberg.
Im Südflügel befinden sich im Untergeschoss weitere Vereinsräume des Heimatvereins und der Musikvereine sowie der Fundus des Burgtheaters Dringenberg. Das Obergeschoss ist bewohnt. Der wuchtige Gewölbekeller unter dem Südflügel ist der älteste Gebäudeteil der Burg und stammt aus der Gründungszeit Dringenbergs.
Im Bereich des Kellereingangs wurde 2010 eine besondere Entdeckung gemacht: das vermutlich älteste „Verbotsschild“ Westfalens. Am Abgang zum Keller fand sich eine in den Putz geritzte Inschrift aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts – äußerst selten und nur fragmentarisch erhalten. Das Lesbare genügt jedoch, um den Sinn zu erkennen:
„hie sal nymant yn gan he en wolle uns… es…“
(Hier soll niemand hineingehen, er wolle uns nicht … / es sei denn, er wolle uns …)
Die Inschrift diente eindeutig der Zugangsbeschränkung – heute würde man sagen: „Keller betreten verboten“. Warum der Zugang damals untersagt war, ist nicht überliefert.
Im Obergeschoss des Torhauses, erreichbar über eine Wendeltreppe, liegt die historische Burgkapelle. Dort können Trauungen der Stadt Bad Driburg vollzogen werden.
Text: I Pape, 2026
Quellen: Heimatverein; D. Pöppel, Dringenberg