Info: Kirche Mariä Geburt
Pfarrkirche „Mariä Geburt“
Die älteste Kirche Dringenbergs ist die Marienkapelle, erbaut um 1250. Sie stand bereits auf dem Berg, bevor Burg und Stadt entstanden. Ihre Glocke, die bis heute den Viertelstundenschlag gibt, gehört zu den ältesten erhaltenen Stücken des Ortes. Mit der Stadtgründung entstand eine frühe Pfarrei, gestiftet durch Bernhard V. zur Lippe. In der Erweiterungsurkunde der Stadtrechte von 1330 behielt sich der Bischof das Patronatsrecht ausdrücklich vor und ordnete ein jährliches Gedächtnis an seinem Sterbetag an. Bernhard starb am 30. Januar 1341; die Gemeinde begeht sein Jahresgedächtnis bis heute am 2. Februar. Ein Abdruck seiner Grabplatte aus dem Paderborner Dom wurde 1978 in der Kirche angebracht.
1320 entstand der heutige Kirchturm als Wehrturm zum Schutz der Bevölkerung. Um 1380 begann der Bau der neuen Kirche zwischen Kapelle und Wehrturm, wodurch der Grundriss bis heute sichtbar verzogen ist. Errichtet wurden Chorraum, Mittelschiff und südliches Seitenschiff; 1412 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Der Hochaltar wurde am zweiten Sonntag nach Ostern 1402 geweiht – das Datum fand sich 1892 in den Putz der Altarplatte eingeritzt.
Ausmalung von 1551 – Die Träger der Macht
Die Innenausmalung stammt aus dem Jahr 1551. Sie wurde um 1900 durch neugotische Malereien überdeckt und 1956/57 wieder freigelegt; das heutige Erscheinungsbild erhielt die Kirche 1979/80. Die Ausmalung ist original und lediglich gereinigt worden.
Einmalig sind die fünf erhaltenen Tragefiguren, auf deren Schultern die Gratbänder des Gewölbes enden – als trügen sie das Gewölbe selbst. Dargestellt sind Landdrost, Pfarrer, Küster und Lehrer, Leibeigener und Hofnarr. Vermutlich fehlten Bauer, Handwerker und Soldat. Gemeinsam repräsentieren sie die Bevölkerungsschichten Dringenbergs im 16. Jahrhundert.
Begräbnisstätte und Epitaphien
Die Kirche diente lange als Begräbnisstätte der Landdrosten und Pfarrer. Bis 1861 wurden die Bewohner auf dem Kirchplatz bestattet. Zahlreiche Epitaphien sind im Turm als Wandfries erhalten; drei Grabplatten wurden nach der Renovierung 1978 links vom Haupteingang aufgestellt.
Kunstwerke und Handwerkstradition
Zu den ältesten Kunstwerken gehört die Pietà, die „Schmerzhafte Mutter“, entstanden vor 1400. Ihre ursprüngliche Nische wurde beim Bau der Kirche mit errichtet. Bis in den Dreißigjährigen Krieg war Dringenberg Wallfahrtsort zu diesem Gnadenbild. Seit dem Neubau der Sakristei 2003 steht die Pietà wieder in der Marienkapelle, der ersten Kirche des Ortes.
Dringenberg war nie ein reines Bauerndorf, sondern ein Ort der Handwerker. Orgelbauer, Grob‑ und Feinschmiede sowie Gold‑ und Silberschmiede waren hier ansässig. Der bekannteste unter ihnen ist Hans Krako, der 1627 den Liborischrein im Paderborner Dom schuf. Von ihm stammt auch die „Ewige Lampe“ der Pfarrkirche aus dem Jahr 1637.
Text: I Pape, 2026