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Waldemei und Mühlen im Ösetal

Mit der Stadtgründung 1323 schenkte Fürstbischof Bernhard V. der jungen Bergstadt Dringenberg die im Ösetal gelegene Waldemei als gemeinschaftliches Weideland. Zugleich behielt er sich das Recht vor, an der Öse Mühlen und Fischteiche anzulegen – ein Vorrecht, das bald genutzt wurde. Die entstehenden Kornmühlen wurden vom Landesherrn an Müller „vermeiert“, also verpachtet. Um 1780 betrug die Pacht für die Obermühle 48 Taler, für die Niedermühle 45 Taler. Die Bewohner von Altenheerse, Kühlsen und Schmechten waren verpflichtet, ihr Korn in Dringenberg mahlen zu lassen und entrichteten dafür eine festgelegte Mahlpacht.

1693/94 kam es zu einem Streit um diesen Mühlenzwang: Das Stift Neuenheerse forderte freie Mühlenwahl für seine Dörfer, da man eine Bevorzugung Dringenbergs sah. Der Landesherr wies die Klage ab – der Mühlenzwang blieb bestehen.

Entlang des künstlich angelegten Mühlengrabens, der parallel zur Öse verläuft, lagen die Dringenberger Mühlen wie auf einer Perlenkette: Suffelmühle – Obermühle – Mittelmühle – Schöpfemühle – Niedermühle – Untermühle.

Suffelmühle

Am Fuß des Kusenbergs, nahe der Antonius‑Klus, liegt die Suffelmühle – dort, wo die Öse entspringt. Ursprünglich eine Gipsmühle, später kurzzeitig Ölmühle, wurde sie im 18. Jahrhundert zur Säge‑ und schließlich zur Kornmühle. Seit dem Dreißigjährigen Krieg lebte hier die aus dem Sauerland stammende Familie Schwarzendahl. Nach einem Brand wurde die Mühle 1841 neu errichtet. Heute gehört sie der Familie Rasche und dient als Ferienhaus.

Obermühle

An der Straße nach Neuenheerse gelegen, war sie bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg als Kornmühle in Betrieb. Seit 1874 ist sie im Besitz der Familie Beine. 1961 endete der Mahlbetrieb; später entstanden Pension, Forellenzucht, Angelteiche und Direktvermarktung.

Mittelmühle

Zwischen Dringenberg und Kühlsen wird sie erstmals 1624 erwähnt. Im 19. Jahrhundert diente sie als Korn‑, Säge‑ und Gipsmühle. 1906 brannte das Gebäude während des Dreikönigsgottesdienstes ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Das heutige Backsteingebäude entstand flussabwärts.

Schöpfemühle

Das heutige Gebäude stammt von 1731, als die Wasserkunst erneuert wurde. Nach jahrzehntelangem Verfall wurde die Mühle durch die Dringenberger Initiative in umfangreicher Eigenleistung gerettet. Heute betreut der Schöpfmühlenverein das Gebäude; es kann für Feiern genutzt werden.

Niedermühle

Eine der fürstbischöflichen Kornmühlen. Ab 1778 von der Familie Uhen, später von Luce in Erbpacht geführt. In den 1960er‑Jahren wurde das Gebäude im Rahmen einer Feuerwehrübung kontrolliert abgebrannt und anschließend abgetragen. An gleicher Stelle entstand der „Ententeich“.

Untermühle

Die jüngste Mühle im Tal. 1851 durch Müller Anton Geisen erbaut, der das Mahlrecht erwarb. 1891 übernahm Müller Heinrich Hennemann die Kornmühle. Nach einem Brand 1898 wurde sie noch im selben Jahr wieder aufgebaut. Das Wasserrad diente früh der Stromerzeugung. Heute gehört die Mühle der Familie Legge.

Text: I Pape, 2026

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