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Das Rathaus Dringenberg – Verwaltungssitz über Jahrhunderte

Rund 500 Jahre lang, bis 1825, diente das Gebäude der Stadt Dringenberg als Rathaus. Mit der Stadtgründung 1323 erhielt die Bürgerschaft nicht nur die Stadtrechte, sondern auch die Pflicht zur Selbstverwaltung. Ein Bürgermeister und sechs bis acht Ratsherren übernahmen die städtischen Verwaltungsämter – Kämmerer, Acciseherren, Vögte und weitere Funktionen. Nach einjähriger Amtszeit wirkten sie ein weiteres Jahr als „beysitzende“ Räte mit. Für die Aufgaben der Stadt standen Bedienstete wie Wassermeister, Tor‑ und Nachtwächter, Forstleute und Hirten zur Verfügung. Wichtige Entscheidungen wurden in Bürgerversammlungen getroffen. Das Rathaus bildete das Zentrum dieser Verwaltung.

Das Gebäude

Das Erdgeschoss diente als Bürgersaal für Versammlungen, Feste und Feiern. Auch das Freigericht auf der Schonlau tagte bei schlechtem Wetter hier. Im Obergeschoss befanden sich der Ratssaal und das Bürgermeisterzimmer. Im Keller lag die Stadtschänke, der Ratskeller „Im schwarzen Creutz“, der das städtische Schankmonopol besaß und jährlich an einen „ehrbaren Bürger“ verpachtet wurde. Nach der Lockerung des Monopols 1682 und seiner Aufhebung nach 1820 fanden sich kaum noch Pächter.

Teile des Kellers stammen vermutlich aus der Zeit der Stadtgründung. Um 1540 entstand der Fachwerkbau ohne den späteren Treppenhausanbau. Im angebauten Bürgerturm hing die Ratsglocke, die zu Versammlungen rief; der untere Teil diente als Gefängnis des Stadtrichters. 1744 wurde der Turm wegen Baufälligkeit erneuert. Später entstand an der Nordseite ein Anbau als Lagerraum für Feuerlöschgeräte.

Schule und Ackerbürgerhaus

Die Stadt litt schwer unter dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) und dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763); auch das Rathaus wurde stark beschädigt. Nach der Säkularisation 1803 fiel das Hochstift an Preußen, und die Stadt verlor einen Großteil ihrer Eigenständigkeit. 1826 erwarb die Stadt die Burg und richtete dort die Verwaltung ein – das Rathaus wurde entbehrlich.

Zwischen 1817 und 1832 war im Obergeschoss die Schule untergebracht, 1841–1843 die erste Mädchenschule. Wegen des schlechten Bauzustands mussten die Kinder und die Lehrerin in die Burg umziehen. 1837 erwarb der Grobschmied Neuhaus das Gebäude, richtete seine Schmiede im Keller ein und baute das Haus zu einem Ackerbürgerhaus um. Der Anbau diente als Scheune; zur Vergrößerung entfernte er die nördliche Giebelwand und vermutlich den Bürgerturm. 1922 erfolgte eine letzte umfassende Renovierung. Die Familie Neuhaus nutzte das Gebäude bis 1964. Nach mehreren Besitzerwechseln stand es ab 1975 leer und verfiel trotz Denkmalschutz. 1997 stürzte das Dach des Anbaus ein; ein Notdach und Stützen sicherten die Reste. Ein Bauzaun umgab das Gebäude. Anfang 2001 entstand eine Machbarkeitsstudie. Auf Drängen der im November 2001 gegründeten „Initiative Historisches Rathaus Dringenberg e. V.“ erwarb die Stadt Bad Driburg das stark beschädigte Gebäude.

Die Renovierung

Mit Fördermitteln des Landes NRW begannen im September 2002 die Restaurierungsarbeiten. Weitere Unterstützung leisteten die NRW‑Stiftung Naturschutz, Heimat und Kulturpflege, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, das Amt für Agrarordnung sowie die Initiative Historisches Rathaus Dringenberg e. V., die durch zahlreiche Arbeitsstunden und Spenden einen erheblichen Anteil übernahm.

Das Haus erhielt wieder einen Spitzgiebel; die nördliche Giebelwand wurde in Fachwerk rekonstruiert. Innenwände und Decken wurden entfernt und die historischen Raumstrukturen nach den Befunden wiederhergestellt. Deckenbalken und Kopfbänder wurden freigelegt. Reste eines „Tudorfer Pflasters“ fanden an anderer Stelle Verwendung. Bei Arbeiten im Scheunenanbau entdeckte man einen überwölbten Brunnenschacht, möglicherweise eine frühere Zisterne; eine begehbare Glasplatte ermöglicht heute den Blick in den rund zwei Meter tiefen Schacht. Ein modernes, brandsicheres Treppenhaus entstand im Anbau. Alle Räume, einschließlich des Kellers, erhielten Wand‑ und Fußbodenheizungen; die Gastherme befindet sich im Dachgeschoss. Der Keller ist wieder von außen zugänglich. Um die abgesenkten Postamente der drei Gewölbesäulen sichtbar zu machen, wurde der Kellerboden um etwa 40 cm tiefergelegt und mit Sandsteinplatten versehen.

Seit der Teileröffnung am 3. Juli 2005 ist das Gebäude wieder öffentlich zugänglich. Die Initiative verwaltet das Haus und stellt den Bürgersaal im Erdgeschoss sowie den Keller (fertiggestellt 2006) für Tagungen, Feiern und Cafébetrieb zur Verfügung. Das Obergeschoss nutzt der Kulturverein „ARTd Driburg“ für Seminare und Ausstellungen.

Text: I Pape, 2026

Quellen: Initiative Historisches Rathaus Dringenberg

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