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Freiheit „vryheid

Der Burg vorgelagert war die Freiheit, die durch eine Mauer nicht nur räumlich, sondern auch rechtlich von der Stadt getrennt war. In diesem Bereich galt das Landesrecht des Fürstbischofs, außerhalb des Burgbereichs hingegen das Stadtrecht.

Ein überbautes, ständig bewachtes Tor gewährte Zutritt zum vorgelagerten Burgbereich. Dort befanden sich Stallungen, Wirtschafts- und Gesindehäuser sowie die Zehntscheune.

Die Burg Dringenberg zeichnet sich durch ihre exponierte Lage innerhalb der Stadt aus. Auffällig ist, dass die Stadtmauern so angelegt wurden, dass die Burg am Rand der Siedlung liegt – nicht im Zentrum. Diese Art der Stadt- und Burgplanung findet sich auch in anderen Orten des Hochstifts. Sie ermöglichte es, dass die Burg eine Seite oder Ecke der Stadt deckte; in Dringenberg sicherte sie die Nordweststrecke.

Einerseits wurde die Burg in die neue Stadtanlage einbezogen, sodass alle Richtlinien der Stadtverteidigung erfüllt waren. Andererseits blieb sie räumlich und baulich isoliert und damit eigenständig.

Die Burg war mit mehreren Burgleuten besetzt, die von einem Burgamtmann befehligt wurden. Ein bischöflicher Amtmann residierte bereits 1323 auf der Burg. Die Burgleute wohnten in der Burgmannssiedlung. Ihre Aufgabe war es, die Burg gegen jedermann zu verteidigen. Ihre Anzahl schwankte je nach Zeit und Notwendigkeit. Die Burgleute gehörten dem niederen, die Burgvögte dem höheren Adel an. Anfangs waren sie verpflichtet, ständig auf der Burg zu wohnen; später wurde ihnen gestattet, sich zu entfernen – unter der Bedingung, bei drohender Gefahr unverzüglich zurückzukehren.

Zugleich dienten sie dem Landesherrn als Instrument gegenüber aufsässigen Bürgern. Das Verhältnis zwischen Burgmannen und Bürgerschaft war daher distanziert und von gegenseitiger Abneigung geprägt. Die Gründe lagen auf der Hand: Die Burgmannen vertraten den Landesherrn und mussten dessen oft unbequeme Entscheidungen gegenüber der Bürgergemeinde durchsetzen. Zudem waren sie rechtlich und steuerlich bevorzugt. Sie verfügten über besondere Privilegien, waren von Abgaben wie dem Zehnten befreit und standen außerhalb der städtischen Gerichtsbarkeit.

Die Mauer, die den Burgplatz vom Stadtgebiet trennte, markierte somit nicht nur eine räumliche, sondern auch eine rechtliche Grenze. Die Burgplätze wurden daher bis in die Neuzeit hinein als „vryheid“ (Freiheit) bezeichnet. Diese Sonderrechte waren für die Bürgerschaft immer wieder ein Stein des Anstoßes.

Zwischen Burgmannen und Bürgern kam es häufig zu Reibereien und Streitigkeiten. Der Ärger der Bürger wuchs besonders dann, wenn die Burgleute sich nicht mit den ihnen zugestandenen Rechten zufriedengaben, sondern deren Ausweitung suchten. Bei Konflikten blieb der Stadt oft kein anderer Weg, als offen zu protestieren – und wenn auch diese Proteste ungehört verhallten, ihr Recht auf dem Prozessweg zu suchen.

Die Wasserkunst im Ösetal

Um 1545 erfuhr die Wasserversorgung Dringenbergs eine grundlegende Verbesserung. Hermann von Viermunden, Landdrost zu Dringenberg, übertrug eine Technik, die er zuvor in Paderborn eingeführt hatte, auf den Ort. Dort wurde Quellwasser in den höchstgelegenen Brunnen der Stadt gepumpt und floss von dort mit natürlichem Gefälle in niedriger gelegene Kumpe. In Dringenberg stellte sich die Aufgabe anders dar, da der Ort auf einem Berg lag.

Im Ösetal, rund 400 m von der Burg entfernt und über 70 m tiefer gelegen, ließ Viermunden eine Wasserkunst errichten – die heutige Schöpfemühle.

Sie nutzte die Kraft der Öse: Ein oberschlächtiges Wasserrad setzte die Mechanik in Gang, die das vom Steinberg herangeführte Quellwasser den Piepengraben hinaufdrückte. Auf der Freiheit vor der Burg sammelte es sich in einem Kump, von dem aus es über hölzerne, später bleierne und schließlich eiserne Rohre zu verschiedenen Entnahmestellen im Städtchen gelangte.

Das Ösetal wurde durch einen Aquädukt überbrückt.

1731 entstand ein neues Wasserhaus, dessen Kellergeschoss bis heute erhalten ist.

Bis um 1900 standen der Bevölkerung mehrere Schöpfbrunnen zur Verfügung, in die das Wasser aus dem Kump geleitet wurde. Schöpfstellen befanden sich unter anderem an der Kirche vor dem Historischen Rathaus (heute Standort des Kriegerdenkmals), an der alten Auffahrt zur Burg und am Parkplatz hinter der Kirche.

Mit der Inbetriebnahme der neuen Wasserversorgung im Jahr 1901 verloren die bisherigen Entnahmestellen ihre Funktion.

Bereits 1896 hatte die Planung für eine grundlegende Erneuerung begonnen: Die Wasserleitungen sollten nun frostsicher unterirdisch durch alle Straßen geführt werden, und auf der Freiheit war ein Hochbehälter vorgesehen, der das Wasser der Schöpfemühle aufnehmen sollte. Bis zum 17. Dezember 1900 waren die Hauptleitungen verlegt; zugleich wurde die Wasserkunst im Ösetal mitsamt Gebäude überholt. Im August 1901 ging die neue Wasserversorgung in Betrieb und blieb bis 1971 in Nutzung. Danach übernahm eine moderne Anlage, gespeist aus drei Tiefbohrungen, die Wasserversorgung des Ortes.

Verfall und Wiederherstellung der Schöpfemühle

Nach Einführung der modernen Wasserversorgung  geriet die alte Anlage in Vergessenheit und verfiel. 1976 plante die Stadt Bad Driburg den Verkauf des Geländes. Der Bezirksausschuss Dringenberg setzte sich jedoch für den Erhalt ein und gewann die Zustimmung der Stadt, verbunden mit der Zusage umfangreicher Eigenleistungen.

Am 8. Juni 1977 begann der Wiederaufbau. Zahlreiche Bürger schlossen sich an, sodass ein kulturhistorisch einmaliges Zeugnis westfälischer Technikgeschichte bewahrt werden konnte. Die Bedeutung der Schöpfemühle wurde 1980 durch einen Beitrag des WDR in der Reihe Technische Kulturdenkmale hervorgehoben.

In den Jahren 2010–2011 und 2025 wurde die Technik der Schöpfemühle grundlegend saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute liegt sie eingebettet in ein kleines Naherholungsgebiet mit Tretbecken, Feuerstelle, Barfußpfad, Calisthenics-Sportgeräten und Sanitäranlagen und kann über den Schöpfmühlenverein gemietet werden.

Text: I Pape, 2026

Quellen: Heimatverein; Verein zur Erhaltung der Schöpfmühle;  H. Schoppmeyer: Der Bischof von Paderborn und seine Städte.

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